Türchen 17 | 2018

Wie man in Sachsen eine weltoffene Hochschule macht:
Logo der weltoffenen Hochschule + Homepage = Weltoffene Hochschule.

 

Oder auch:  die (vermuteten) Gedankengänge des Rektorates der TU Chemnitz in diesem Sommer:

Was in unserer Stadt gibt es Rassismus? Aber nicht an unserer Hochschule.
Student*innen wollen nicht alleine in die Stadt gehen, aus Angst vor Übergriffen? Da können wir uns jetzt nicht so einfach zu humanitären Werten äußern. Was, wenn wir dort jemanden auf den Schlips treten. Wir brauchen erstmal drei Tage Bedenkzeit.
Was es gibt Rassismus auch an unserer Hochschule? Davon wusste ich nichts, also gibt es das auch nicht.
Die Leute rufen laut nach Konsequenzen? Meine Türen und Fenster sind schalldicht. Ich höre nichts. Sie etwa?
Wir tun doch so viel für unsere ausländischen Student*innen. Es gibt so viel Infomaterial und so viele Anlaufstellen.
Ob es die Informationen auch auf Englisch gibt? Natürlich. Schauen Sie nur auf unserer Homepage. Das geht ganz einfach *klick, klick, klick. klick, klick, klick, klick, klick, klick, klick, klick, klick*. Und schon sind Sie da. Oh, die Informationen sind veraltet. Na gut, dann gehen wir direkt zur Beratung. Oh die*der Zuständige hatte einen Englisch-Kurs zuletzt in den 90ern? Naja die Grammatik hat sich ja seit dem nicht geändert.
Und wir haben so viele tolle kulturelle Angebote für unsere Student*innen. Also die Student*innenschaft organisiert das, aber das ist Jacke wie Hose.

Wir sind weltoffen. Also die Meisten. Viele. Einige. Ich kann da nur für mich sprechen.
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Es reicht nicht, dass sich Weltoffenheit auf Fahnen, T-Shirts oder sonst irgendwas geschrieben wird. Hochschulen müssen sich klar und deutlich gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit positionieren. Sowohl in ihrer Hochschule als auch in ihrer Stadt. Besonders die Vorfälle in Chemnitz dieses Jahr haben gezeigt, dass Weltoffenheit und die Achtung humanitärer Werte keine Selbstverständlichkeit sind. Auch reicht es nicht, auf Konzerte zu gehen und bei Alltagsrassismus wegzuschauen. Deswegen versteckt sich hinter unserem Türchen nicht nur die Forderung nach einer weltoffenen Hochschule, sondern auch die Aufforderung an euch, aufzustehen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in unserer Gesellschaft keinen Platz zu bieten.

Auch der StuRa der TU Chemnitz, war mit der Reaktion seines Rektorates nicht zufrieden. Den offenen Brief findet ihr hier.

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