Verhindern Sie den Tutor*innennotstand

Offener Brief an die Landesregierung   

Sehr geehrter Ministerpräsident Kretschmer, sehr geehrter Staatsminister Gemkow,

an den sächsischen Hochschulen drohen mit Kürzungen der Mittel für Tutorien um bis zu zwei Drittel dramatische Verschlechterungen der Lehrsituation und damit zusätzlich zur Corona-Situation eine ernste Gefahr für den Studienerfolg.

Weder Gespräche mit Vertreter*innen der Landesregierung noch mit den Hochschulleitungen konnten bisher eine tatsächliche Lösung der Problematik in Aussicht stellen. Deswegen wenden wir uns in diesem offenen Brief noch einmal direkt an Sie und appellieren als Konferenz Sächsischer Studierendenschaften gemeinsam mit mehr als 40 Fachschafts- und Studierendenräten, die bevorstehenden Kürzungen zu verhindern und gemeinsam mit den Hochschulleitungen die Weiterfinanzierung der Tutor*innen zu sichern.

Mit dem Auslaufen des ‘Qualitätspaktes Lehre’ im Jahr 2020 läuft auch die Finanzierung für viele Tutor*innenstellen aus. Viele Hochschulen hatten insbesondere aus Mitteln des Qualitätspaktes Lehre Programme geschaffen, um studentische Tutor*innen zu beschäftigen. Nach Aussagen der Hochschulleitungen sehen sich diese nicht in der Lage mit der ohnehin knappen Grundfinanzierung, den Bedarf aufzufangen und weiterhin ausreichende Mittel für Tutorien zur Verfügung zu stellen. Zum Beispiel kommunizierten in den vergangenen Wochen daher Rektorate an die Dekanate, dass diese den absolut notwendigen Bedarf ermitteln und insbesondere eine Finanzierung aus Fakultätsmitteln prüfen sollen. Eine Finanzierung aus zentralen Mitteln der Hochschulen soll im Anschluss erwogen werden. Dies führte zu großen Sorgen und einem Aufschrei, nicht nur in der Studierendenschaft, sondern auch unter Lehrenden. Denn alle wissen: Tutor*innen sind eine zentrale Säule der Hochschullehre.

Tutor*innen werden häufig dafür eingesetzt, den in Vorlesungen erlernten Stoff in Seminaren oder Übungen zu festigen, aber vor allem auch zu vertiefen. Da die Tutor*innen selbst Studierende sind, können sie Probleme mit den zu vermittelnden Inhalten besser nachvollziehen, in diesen peer-to-peer-Formaten niedrigschwelliger mit den Lernenden kommunizieren und so aus einer anderen Perspektive Probleme lösen.
Doch in vielen Fakultäten sind Tutor*innen keineswegs rein ergänzend zur obligatorischen Lehre. Sie sind z. B. als Übungsleitende in vielen Fächern unerlässlich und decken verpflichtend anzubietende Lehrveranstaltungen ab. Sie tragen so auch zu einem besseren Betreuungsverhältnis bei und müssen in vielen Fällen die dünne Personaldecke der wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen ausgleichen.
Gerade in der Pandemie waren es häufig studentische Beschäftigte, die ihre Fakultäten und Lehrenden in hohem Maße bei der Digitalisierung der Lehre unterstützt haben. In vielen Fällen ist es Ihnen zu verdanken, dass an den Hochschulen Lehren und Lernen in der Pandemie derart möglich war. Darüber hinaus waren sie Ansprechpartner*innen für Erstsemesterstudierende, die nicht wie gewohnt auf dem Campus in Hörsälen studieren konnten. So waren sie in der Pandemie auch sozial unentbehrlich und haben auf dieser Ebene noch mehr als üblich zu einem erfolgreichen Studium beigetragen.

Hinzu kommt, dass viele Studierende, die zur Finanzierung des Studiums auf eine Nebentätigkeit angewiesen sind, als Tutor*innen beschäftigt werden. Mit dem Wegfall dieser Möglichkeit verschärft sich die ohnehin prekäre finanzielle Lage vieler Studierender während der Pandemie also weiter. Tutorien dienen den beschäftigten Studierenden außerdem als Möglichkeit, sich fachlich und didaktisch für die spätere Karriere weiterzubilden und wertvolle Erfahrungen zu sammeln.

Eine Kürzung der Mittel für Tutor*innen wäre daher fatal. Nicht nur für die betroffenen Beschäftigten, für die Lehre an den Hochschulen und damit die Lehrenden, die derzeit aufgrund der digitalen Lehre ohnehin eine erhebliche Mehrbelastung tragen. Durch den zu erwartenden Einbruch des Studienerfolgs mangels der Unterstützung durch Tutorien werden schlussendlich auch dem Freistaat Sachsen in den nächsten Jahren genau die ausgebildeten Fachkräfte fehlen, die das Land so dringend benötigt.

Wir bitten Sie daher eindringlich, die Finanzierungslücke beispielsweise durch Bereitstellung zusätzlicher zweckgebundener Mittel zu schließen. Gemeinsam mit den Hochschulen muss eine Lösung gefunden werden, durch die für die nächsten Jahre eine stabile Finanzierung mindestens auf dem bisherigen Niveau gesichert ist. Für weiterführende Gespräche stehen wir gern zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Sabine Giese und Paul Senf
Sprecher*innen der Konferenz Sächsischer Studierendenschaften

Unterstützer*innenliste:

 

StudierendenRat der HTWK Leipzig

FSR Maschinenbau und Energietechnik der HTWK Leipzig

FSR Informatik und Medien der HTWK Leipzig

 

Fachschaftsrat Computer- und Biowissenschaften der Hochschule Mittweida

 

FSR Lehramt der TU Chemnitz

FSR Physik der TU Chemnitz

FSR Maschinenbau der TU Chemnitz

FSR Mathematik der TU Chemnitz

 

StuRa der TU Dresden

FSR Hydrowissenschaften TU Dresden

FSR der Philosophischen Fakultät der TU Dresden

FSR Elektrotechnik der TU Dresden

FSR Architektur der TU Dresden

FSR Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften der TU Dresden

FSR Sozialpädagogik der TU Dresden

FSR Allgemeinbildende Schulen der TU Dresden

FSR Maschinenwesen der TU Dresden

FSR Physik der TU Dresden

FSR Psychologie der TU Dresden

FSR Chemie und Lebensmittelchemie der TU Dresden

FSR Forstwissenschaften der TU Dresden

FSR Mathematik der TU Dresden

FSR Wirtschaftswissenschaften der TU Dresden

FSR Geowissenschaften der TU Dresden

FSR Bauingenieurwesen der TU Dresden

FSR Biologie der TU Dresden

 

StuRa der Hochschule für Bildende Künste Dresden

 

FSR für Geowissenschaften, Geotechnik und Bergbau der TU Bergakademie Freiberg

 

FSR Sozialwissenschaften Hochschule Zittau/Görlitz

FSR Informatik Hochschule Zittau/Görlitz

 

FSR Germanistik der Universität Leipzig

FSR Deutsch als Fremd- und Zweitsprache der Universität Leipzig

FSR Geographie und Geowissenschaften der Universität Leipzig

FSR Sportwissenschaften der Universität Leipzig

FSR Erziehungswissenschaften der Universität Leipzig

FSR Biowissenschaften und Pharmazie der Universität Leipzig

FSR Archäologie der Universität Leipzig

FSR Geschichte der Universität Leipzig

FSR Mathematik der Universität Leipzig

FSR Farao – religious studies, area studies and others der Universität Leipzig

FSR Informatik der Universität Leipzig

FSR Kulturwissenschaften der Universität Leipzig

FSR Musikwissenschaften und Kunstpädagogik der Uni Leipzig

FSR Soziologie der Universität Leipzig

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