PM 06/17 – Nein zur Landärzt*innenquote – Für eine nachhaltige Reform des Medizinstudiums

Die Konferenz Sächsischer Studierendenschaften (KSS) und die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (bvmd) sprechen sich klar gegen die Landärzt*innenquote aus. Heute fand im Landtag eine Anhörung statt, in welcher Isabel Molwitz, Vizepräsidentin für Externes der bvmd, als Sachverständige darlegte, warum Studierendenvertretungen die beabsichtige Quote ablehnen.

 

“Die Welt ist selten so einfach und Landärzt*innenquoten werden nicht funktionieren”, so Molwitz, “ Das Problem ist nicht die Anzahl der Studierenden, die sich für die Allgemeinmedizin entscheiden – in Sachsen allein 14% der Absolvent*innen – allgemein fehlt es auf dem Land an fast allen Berufszweigen. Das hier benannte Problem muss also gesamtgesellschaftlich betrachtet werden. Die ländliche Infrastruktur insgesamt muss erhalten werden, Arbeit, auch für die Partner*innen, vorhanden sein und wohnortnahe Schulbildung garantiert werden. ” Im sogenannten Masterplan Medizinstudium 2020 wird unter anderem eine Landärzt*innenquote ins Spiel gebracht. Daniel Irmer, Sprecher der KSS, führt aus: “Die Quote, deren Effekt nicht absehbar ist, macht das Zulassungsverfahren zum Medizinstudium noch unübersichtlicher. Es wird dazu kommen, dass sich Studierende aus der Quote freikaufen oder das Studium frühzeitig wieder abbrechen, weil sie doch keine Landärzt*innen werden wollen. Besonders ersteres bietet die Möglichkeit sich praktisch in das Studium einzukaufen.”

 

“Der hohe Arbeitsaufwand und die damit einhergehende geringe Vereinbarkeit von Beruf und Familie schrecken Studierende von der Niederlassung ab. Auch das finanzielle Risiko wird kritisch gesehen. Die Studierenden scheuen sich vor dem Verwaltungsaufwand, unangemessener Honorierung und fehlendem wissenschaftlichen und kollegialen Austausch”, erklärt Molwitz, ”Hier muss angesetzt werden: durch geregelte und flexible Arbeitszeiten, innovative Praxenmodelle, Förderung der Wissenschaft in Studium und Praxis sowie gute Honorierung können Studierende für eine Tätigkeit auf dem Land begeistert werden.”

 

“Durch eine Stärkung der Allgemeinmedizin, wie z.B durch das 2016 aufgelegte Programm Leipziger Kompetenzpfad Allgemeinmedizin (LeiKA), können die Studenten*innen  für eine Tätigkeit auf dem Land motiviert werden. Das ähnliche, durch die bvmd mit initiierte, Projekt Land.in.Sicht zur Unterstützung von Studierenden während landärztlicher Famulaturen wurde von Student*innen positiv aufgenommen. So zeigen Befragungen der bvmd, dass Studierende sich nach ihrer organisatorisch und finanziell geförderten Famulatur eine Tätigkeit in der entsprechenden Fachrichtung besser vorstellen können. Dass die Finanzierung dieses Projekts, welches in Sachsen nie anlief, nun eingestellt wurde, da durch die Maßnahmen des Masterplans Medizin 2020 angeblich genügend Mediziner*innen für die Tätigkeit auf dem Land verpflichtet werden und die Beteiligung der bvmd zur zukünftigen Unterstützung der Studierenden in der Umsetzung dieser neuen Maßnahmen wie einem PJ-Quartal ausgeschlossen werden, kritisieren wir dabei aufs Schärfste”, so Irmer abschließend.

 

Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung:

Daniel Irmer (Sprecher der KSS)                     Carolin Siech (Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit der bvmd)

sprecherinnen@kss-sachsen.de                     pr@bvmd.de

 

Die KSS vertritt als gesetzlich legitimierte Landesstudierendenvertretung alle 106.000 Studierenden an Sachsens staatlichen Hochschulen.

Die Pressemitteilung als PDF

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